Schieferdach + Sturm = teure Kombination
Schiefer ist eines der edelsten Dachmaterialien — und versicherungstechnisch eines der teuersten. Drei Gründe, warum Sturmschäden am Schieferdach besonders ins Geld gehen:
1. Naturschiefer kostet 250–400 € pro m². Standard-Ton ziegel liegen bei 25–60 €. 2. Verlegung ist Handarbeit. Ein Dachdecker schafft 3–6 m² Schiefer pro Tag — gegenüber 15–25 m² Tonziegel. 3. Sanierungen sind oft umfangreicher als sichtbar. Bei Sturmschäden lösen sich oft mehrere Schiefer in einem Bereich, weil die Befestigungs-Nägel mit beansprucht wurden.
Ein „kleiner" Sturmschaden am Schiefer (5 m²) liegt bei 4.000–6.000 €. Ein größerer Schaden mit Dachgaube oder Firstbereich-Beschädigung schnell bei 25.000–50.000 €.
Schritt 1 — Direkt nach dem Sturm
Sicherheit zuerst:
- Nicht das Dach betreten — fehlende Ziegel oder lose Bauteile
- Bei akutem Wassereintritt: Eimer aufstellen, Boden schützen
- Stromhauptsicherung prüfen, wenn Wasser in Zimmer eingedrungen ist
Kostenlos in unter einer Stunde:
- Foto-Dokumentation vom Boden aus (Teleobjektiv oder Drohne, wenn vorhanden)
- Versicherer informieren (telefonisch + schriftlich)
- Bei Bedarf: Notabdichtung durch Dachdecker (Versicherer erstattet)
Schritt 2 — Schaden begutachten lassen
Bei kleinen Schäden (Faustregel < 5.000 €): Dachdecker prüft, dokumentiert, repariert. Versicherer-Genehmigung erfolgt häufig im Nachgang.
Bei mittleren bis großen Schäden: Sachverständiger des Versicherers wird beauftragt. Eigene Belege/Fotos werden mit eingeschätzt.
Bei Denkmal-Häusern immer: Vor Reparaturbeginn die Denkmalschutzbehörde informieren. Bei Schiefer ist das oft Pflicht — manche Behörden verlangen den Einsatz bestimmter Schiefer-Sorten (z.B. Mosel-Schiefer statt importierter chinesischer Schiefer).
Schritt 3 — Reparatur planen
Drei Optionen, abhängig vom Schadensausmaß:
Option A — Punktuelle Reparatur (1–10 Schiefer): Einzelne Schiefer werden ausgetauscht. Bei alten Dächern kann die Suche nach passenden Schieferstücken (Farbe, Form, Dicke) aufwendig sein.
Option B — Bereichsreparatur (3–20 m²): Ein größeres Stück Dach wird neu eingedeckt. Häufig wird zusätzliches Dachlatten- und Hinterlüftungs-Material erneuert.
Option C — Komplette Neudeckung: Bei großflächigen Sturmschäden oder wenn der Dachstuhl mit beschädigt ist. Dauer: 4–8 Wochen je nach Verfügbarkeit der Handwerker.
Was Ihre Versicherung zahlen sollte
Bei einer spezialisierten Denkmal-Police über die DEVK sind versichert:
| Position | Standard-Police | Denkmal-Police |
|---|---|---|
| Schiefer-Material (Naturschiefer) | nur bis Standard-Pauschale | volle Kosten |
| Verlegung (Stundensätze Dachdecker) | Tabellensatz | reale Stundensätze |
| Spezial-Schiefer (z.B. Mosel) | meist nicht | enthalten |
| Notabdichtung in den ersten Stunden | enthalten | enthalten |
| Folgeschäden im Innenbereich | begrenzt | im Wohngebäudeschutz |
| Behördenauflagen-Mehrkosten | nicht | enthalten |
| Trocknung des Dachstuhls bei Wassereintritt | begrenzt | enthalten |
Praxisbeispiel: 18 m² Schiefer-Sturmschaden, Rheinland
Schaden: Orkan reißt 18 m² Schiefer aus dem Hauptdach + 4 m² am Erkerdach. Notabdichtung sofort, Reparatur über 5 Wochen.
Kosten:
- Notabdichtung: 1.200 €
- Mosel-Schiefer (Behördenauflage): 5.100 €
- Verlegung (Dachdecker, 5 Tage): 6.800 €
- Dachlatten und Unterspannbahn erneuern: 1.800 €
- Innen-Folgeschäden (Wasser in Dachboden): 3.200 €
- Gesamt: 18.100 €
Standard-Police hätte gezahlt: ca. 8.500 € (Standard-Schiefer + Tabellensätze) Denkmal-Police über DEVK: 18.100 € minus Selbstbehalt
Was Sie nach der Reparatur tun sollten
- Schadensprotokoll archivieren (Versicherungs-Korrespondenz, Belege, Fotos vorher/nachher)
- Versicherungs-Anpassung prüfen — bei umfangreichen Sanierungen kann sich der Wiederaufbauwert ändern
- Bei Denkmälern: Abschluss-Bescheinigung der Behörde einholen, dass die Reparatur denkmalgerecht erfolgt ist
- Foto-Dokumentation des reparierten Zustands für spätere Schadensfälle
Ein Tipp, der oft vergessen wird
Wenn nach einem größeren Sturmschaden Dachstuhl-Holz freigelegt wird, ist das eine gute Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme:
- Tragfähigkeit der Balken prüfen
- Dachdämmung kontrollieren
- Bei Bedarf Schädlings-Schutz erneuern
Diese präventiven Maßnahmen sind in der Regel nicht über die Versicherung abgedeckt — aber wenn das Dach offen ist, sind sie viel günstiger als bei einem späteren separaten Eingriff.
Externe Quellen & weiterführende Informationen
- Deutscher Wetterdienst (DWD): zu Sturm-Warnungen und Statistiken: dwd.de
- Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH): mit Fachverband-Adressen: dachdecker.de
- GDV: zu Sturmschäden in der Wohngebäudeversicherung: gdv.de
