Die kurze Antwort vorweg
Den Wert 1914 berechnen Sie nach der Formel:
Wohnfläche (m²) × Bauwert pro m² in Goldmark des Jahres 1914
Der so ermittelte Wert ist die historische Bemessungsgrundlage Ihrer Wohngebäudeversicherung. Über den Baupreisindex rechnet der Versicherer ihn jährlich auf den aktuellen gleitenden Neuwert hoch — das ist der Betrag, den Sie im Schadensfall tatsächlich bekommen würden.
Bei einem Denkmal liegt der Wert 1914 typisch zwischen 8 und 30 Goldmark/m², bei Standardhäusern eher bei 3–8 Goldmark/m². Der Unterschied ist der historische Bauaufwand für Stuck, Bleiverglasung, Sichtfachwerk, Naturstein-Fassade, originaler Dachstuhl. Wer diesen Aufwand bei der Berechnung unterschätzt, ist später dauerhaft unterversichert — auch wenn die Police „gleitender Neuwert" sagt.
Diese Anleitung erklärt den Wert 1914 vollständig: Was er ist, wie er berechnet wird, wo Denkmale anders sind, und wie Sie eine Korrektur einleiten, wenn Ihr aktueller Wert zu niedrig ist. Wenn Sie den Wert für Ihr Objekt direkt berechnen lassen wollen, nutzen Sie unsere kostenlose Wertermittlung in 2 Minuten.
Was bedeutet „Wert 1914"?
Der Wert 1914 ist ein historischer Bezugswert in der Wohngebäudeversicherung. Er beschreibt die Summe, die ein vergleichbares Gebäude zur Bauzeit 1914 in Goldmark gekostet hätte — also vor dem Ersten Weltkrieg, in einer wirtschaftlich stabilen Periode mit verlässlichen Baupreisen.
Warum gerade 1914? Weil dieser Wert eine inflationsneutrale Bezugsgröße ist. Egal wie sehr die Baukosten in den nächsten 30 Jahren steigen oder fallen — Ihr Wert 1914 bleibt konstant. Der Versicherer multipliziert ihn jährlich mit einem Baupreisindex und kommt so auf den aktuellen gleitenden Neuwert.
Die drei Werte im Zusammenhang
| Begriff | Bedeutung | Verwendet für |
|---|---|---|
| Wert 1914 | Historischer Bauwert in Goldmark/m² | Bezugsgröße in Police |
| Baupreisindex | Faktor, mit dem 1914 → heute hochgerechnet wird | Jährliche Anpassung |
| Gleitender Neuwert | Aktueller Wiederherstellungswert | Auszahlung im Schaden |
| Wiederaufbauwert | Tatsächliche Kosten für Wiederaufbau | Realer Geldbetrag heute |
So wird der Wert 1914 berechnet
Die Berechnung ist im Grunde einfach:
Formel:
Wert 1914 = Wohnfläche × Bauwert pro m² 1914 (Goldmark)
Beispiel: Fachwerkhaus 140 m², Bj. 1820
- Wohnfläche: 140 m²
- Bauwert/m² 1914 für Fachwerk mit Sichtbalken: 22 Goldmark
- Wert 1914 = 140 × 22 = 3.080 Goldmark
Umrechnung in heutigen Wiederaufbauwert
- Baupreisindex 2026 (Annahme): rund 1.900 (Basis 1914 = 100)
- Aktueller Wiederaufbauwert = 3.080 × 19 = 585.200 €
→ Das ist die Summe, die im Schaden ausgezahlt würde — vorausgesetzt, der Wert 1914 wurde korrekt erfasst.
Welche Bauwerte gelten 1914?
Die Bauwerte pro m² (Goldmark, Wohnhausbau) liegen vom Versicherer veröffentlicht meist in folgendem Rahmen:
| Bauart | Bauwert pro m² 1914 |
|---|---|
| Einfaches Reihenhaus, Massivbau | 4–8 Goldmark |
| Standardvilla, Backstein, Bj. 1900–1930 | 8–14 Goldmark |
| Bauernhaus, Fachwerk einfach | 10–16 Goldmark |
| Fachwerkhaus mit Sichtfachwerk | 16–24 Goldmark |
| Gründerzeit-Stadtvilla mit Stuck | 18–26 Goldmark |
| Reetdach-Bauernhaus | 14–22 Goldmark |
| Klassizistisches Stadthaus mit Naturstein | 22–32 Goldmark |
| Schloss, Burg, Großdenkmal | 30–80 Goldmark |
| Sakralbau mit Bleiverglasung | 40–120 Goldmark |
Die exakten Werte variieren je nach Versicherer und Region. Ein spezialisierter Sachverständiger liefert objektgenaue Zahlen.
Warum der Wert 1914 bei Denkmalen oft falsch angesetzt wird
Standard-Versicherer setzen den Wert 1914 für ein Denkmal häufig wie für ein Standardhaus an — was zu niedrig sein kann. Drei typische Fehler:
Fehler 1: Sichtfachwerk wird ignoriert
Ein 140-m²-Fachwerkhaus mit Sichtfachwerk wird als 6 Goldmark/m² veranschlagt statt korrekt 18–22 Goldmark/m². Differenz: rund 400.000 € weniger Wiederaufbauwert.
Fehler 2: Stuck wird pauschalisiert
Stuckdecken werden gar nicht in den Wert 1914 eingerechnet — obwohl sie historisch 3–8 Goldmark/m² Wandfläche addieren würden.
Fehler 3: Bleiverglasung und Naturstein nicht berücksichtigt
Originale Bleifenster, Sandstein-Fassade, handgeschnitzte Türen — alles Bauteile, die den Wert 1914 erhöhen müssten, von Standard-Versicherern aber als „normaler Putz" oder „Standardfenster" gerechnet werden.
[BIRCAN-CASE: Bitte einen Praxis-Fall einfügen — Mandant mit zu niedrig angesetztem Wert 1914, Police-Check, Korrektur, neuer Wert und Prämienänderung.]
Beispielrechnung: Wert 1914 für drei typische Denkmale
Beispiel A — Fachwerkhaus, Niedersachsen, Bj. 1820
| Position | Wert |
|---|---|
| Wohnfläche | 140 m² |
| Bauwert 1914 pro m² | 22 Goldmark |
| Wert 1914 | 3.080 Goldmark |
| Baupreisindex 2026 | 1.900 |
| Wiederaufbauwert 2026 | ca. 585.200 € |
Beispiel B — Gründerzeit-Stadtvilla, Berlin, Bj. 1898
| Position | Wert |
|---|---|
| Wohnfläche | 280 m² |
| Bauwert 1914 pro m² | 24 Goldmark |
| Wert 1914 | 6.720 Goldmark |
| Baupreisindex 2026 | 1.900 |
| Wiederaufbauwert 2026 | ca. 1.276.800 € |
Beispiel C — Reetdach-Bauernhaus, Schleswig-Holstein, Bj. 1750
| Position | Wert |
|---|---|
| Wohnfläche | 180 m² |
| Bauwert 1914 pro m² | 20 Goldmark (inkl. Reetdach-Aufschlag) |
| Wert 1914 | 3.600 Goldmark |
| Baupreisindex 2026 | 1.900 |
| Wiederaufbauwert 2026 | ca. 684.000 € |
Wie kommt der Baupreisindex zustande?
Der Baupreisindex wird vom Statistischen Bundesamt monatlich veröffentlicht. Er misst die Veränderung der durchschnittlichen Baupreise gegenüber dem Basisjahr (oft 2015 = 100, intern umgerechnet auf 1914 = 100). Aktuell (Stand 2026) liegt der Wert bei rund 1.900 Punkten — was bedeutet: was 1914 1 Goldmark kostete, kostet heute rund 19 €.
Versicherer nutzen häufig einen gewichteten Index für Wohnhausbau. Bei Denkmalen wäre eigentlich ein Restauratoren-Index sinnvoll — der liegt rund 20–40 % höher als der allgemeine Baupreisindex. Spezialisierte Policen haben diese Korrektur eingebaut, Standard-Tarife nicht.
Was passiert im Schaden bei zu niedrigem Wert 1914?
Hier geht es um die Unterversicherung. Wenn Ihre Police mit einem Wert 1914 läuft, der die echten Wiederherstellungskosten unterschätzt, wird im Schaden anteilig gekürzt.
Berechnung der Kürzung
Erstattung = Schadenshöhe × (Versicherungssumme / tatsächlich erforderliche Versicherungssumme)
Beispiel
- Wert 1914 in Police: 2.000 Goldmark (also 380.000 € Wiederaufbauwert)
- Tatsächlich nötig: 3.080 Goldmark (also 585.200 €)
- Verhältnis: 65 %
- Schadenshöhe: 80.000 € (Wasserschaden)
- Erstattung: 80.000 × 0,65 = 52.000 €
- Sie tragen selbst: 28.000 €
→ Eine einmalige Korrektur des Wertes 1914 hätte die 28.000 € erspart. Die Prämienerhöhung dafür liegt typischerweise bei 30–80 €/Jahr.
Unterversicherungs-Verzicht — wie er funktioniert
Bei spezialisierten Policen ist ein Unterversicherungs-Verzicht möglich. Voraussetzung:
- Korrekte Erstangabe des Wertes 1914
- Anpassung bei Sanierung / Erweiterung
- Akzeptanz des Baupreisindex zur jährlichen Aufwertung
Bei korrekter Erfassung garantiert die Police, dass auch bei Baukosten-Inflation immer der volle Wiederherstellungswert ausgezahlt wird, nicht mit Quotierung gekürzt. Diese Garantie ist im Denkmal-Tarif über uns Standard.
Wann der Wert 1914 aktualisiert werden sollte
| Anlass | Empfehlung |
|---|---|
| Nach Sanierung — auch teilweise | Sofort neu berechnen |
| Bei Wohnraum-Erweiterung | Sofort anpassen |
| Bei Wechsel des Versicherers | Immer prüfen |
| Alle 5–7 Jahre | Routine-Check |
| Bei Vermarktung / Verkauf | Vor Verkauf aktualisieren |
| Nach Schadensfall | Mit Versicherer abstimmen |
Drei Methoden zur Wertermittlung
Methode 1 — Sachverständigen-Begehung
Ein erfahrener Sachverständiger bewertet vor Ort. Dauer: 1–2 Stunden. Kosten: meist im Versicherungsumfang enthalten ab 500.000 € Wiederaufbauwert. Genauigkeit: höchste.
Methode 2 — Foto + Inventar
Sie liefern Fotos, Grundrisse, eine Inventarliste der historischen Bauteile (Stuck, Verglasung, Holzbalken). Wir bewerten anhand der Unterlagen. Genauigkeit: hoch, schneller als Begehung.
Methode 3 — Bestehendes Gutachten
Wenn ein Verkehrswert- oder Versicherungsgutachten vorhanden ist, übernehmen wir die Werte direkt. Vorteil: kein Aufwand. Nachteil: Gutachten älter als 3 Jahre sollten geprüft werden.
[BIRCAN-CASE: Bitte einen Praxis-Hinweis einfügen — welche Methode bei welcher Objektgröße üblicherweise empfohlen wird.]
Was originale Bauteile zum Wert addieren
Diese typischen Denkmal-Bauteile rechtfertigen einen Aufschlag auf den Standard-Bauwert:
| Bauteil | Typischer Aufschlag in Goldmark/m² Wohnfläche |
|---|---|
| Sichtfachwerk (komplett) | +6–12 |
| Stuck-Decke, schlicht | +1–3 |
| Stuck-Decke, reich verziert | +4–10 |
| Bleiverglasung, originale | +2–6 |
| Originale Holzdielen | +1–3 |
| Schiefer-Sichtfassade | +3–8 |
| Naturstein-Fassade (Sandstein, Granit) | +5–15 |
| Reetdach-Eindeckung | +4–10 |
| Historische Wandvertäfelungen | +2–6 |
| Schmiedeeiserne Geländer/Tore | +1–3 |
| Originaler Kachelofen | +1–4 |
Die Summe der Aufschläge addiert sich zum Standard-Bauwert. Ein typisches Fachwerk-Stadthaus mit Sichtfachwerk + Stuck + Bleiverglasung kommt so von 6 Goldmark/m² Standard auf 20–28 Goldmark/m² — das vervierfacht den Wiederaufbauwert.
Häufige Fragen zum Wert 1914
Warum gerade das Jahr 1914? 1914 war das letzte Jahr vor dem Ersten Weltkrieg mit stabilen Baupreisen in Goldmark. Die Versicherungswirtschaft hat sich darauf als inflationsneutralen Bezug geeinigt.
Wie hoch sollte der Wert 1914 bei meinem Haus sein? Ohne Begehung nicht seriös zu sagen — die Bauart, originalen Bauteile, Region und der Sanierungszustand bestimmen den Wert. Faustregel: Fachwerk + Sichtbalken + Stuck → 18–26 Goldmark/m². Massivbau ohne Originalsubstanz → 6–10 Goldmark/m².
Bin ich automatisch unterversichert, wenn der Wert 1914 nicht aktualisiert ist? Nicht automatisch — der Baupreisindex passt jährlich an. Aber wenn der Ausgangswert falsch war (z.B. Stuck nicht eingerechnet), bleibt diese Unterversicherung dauerhaft bestehen.
Was kostet die Korrektur des Wertes 1914? Die Begutachtung selbst ist im DEVK-Tarif über uns kostenfrei. Die Prämienanpassung nach einer Korrektur liegt typisch bei 30–100 €/Jahr mehr, je nach Wertdifferenz.
Was, wenn ich saniere — muss der Wert dann sofort angepasst werden? Ja. Jede Sanierung, die den Wiederherstellungs-Aufwand erhöht (z.B. originale Stuck-Wiederherstellung, neues Schieferdach), sollte zur Wert-1914-Anpassung führen. Wir machen das im Rahmen unserer Jahres-Reviews automatisch.
Wer haftet, wenn der Wert 1914 falsch angesetzt war? Der Versicherungsnehmer hat eine Mitwirkungspflicht. Wenn der Versicherer auf Basis falscher Angaben gerechnet hat, geht das Risiko zu Lasten des Eigentümers. Bei korrekter Erstangabe und Unterversicherungs-Verzicht haftet der Versicherer.
Wo finde ich den Wert 1914 in meiner Police? Im Versicherungsschein steht der Wert meist als „Versicherungswert 1914" oder „Wert 1914" ausgewiesen — in Goldmark, mit dem aktuellen Baupreisindex daneben.
Externe Quellen & weiterführende Informationen
- Statistisches Bundesamt — Baupreisindex (Grundlage der jährlichen Wertanpassung): destatis.de
- GDV zu Berechnungsstandards für Wohngebäudeversicherungen: gdv.de
- Bund Deutscher Architekten (BDA) zu Sachverständigen-Empfehlungen: bda-bund.de
- Wikipedia: Versicherungswert (Grundlagen der Wert-1914-Methode): de.wikipedia.org/wiki/Versicherungswert
Wie es bei einer Anfrage weitergeht
Wir prüfen den Wert 1914 Ihrer aktuellen Police kostenlos binnen 48 Stunden. Was wir brauchen:
- Aktuelle Police als Foto oder PDF
- Wohnfläche und Baujahr Ihres Objekts
- Foto der Hauptfassade und einer Innenansicht (wenn möglich)
- Liste der originalen Bauteile (Stuck, Verglasung, Fachwerk, etc.)
Sie erhalten:
- Soll-Wert 1914 für Ihr Objekt
- Differenz zur aktuellen Police
- Konkrete Empfehlung: Anpassung oder Wechsel
- Neue Prämie falls Sie umstellen wollen
Wo der Wert in die Police eingeht: zur Wohngebäude-Hauptseite → Mehr zum Wiederaufbau im Detail: Wohngebäude vs. Denkmal-Versicherung → Mehr zum Schadensfall: Schadensfall am Denkmal →
