Die kurze Antwort vorweg
Ein Rohrbruch ist versicherungsrechtlich ein bestimmungswidriger Wasseraustritt aus einer Leitungswasser-führenden Anlage — sei es die Frischwasserleitung, die Heizungsanlage oder ein angeschlossenes Gerät. Solche Schäden sind über das Leitungswasser-Modul der Wohngebäudeversicherung abgedeckt — inklusive Rohre im Mauerwerk und der Folgeschäden am Gebäude.
Drei Fakten dazu:
- Rohrbruch ist der größte Schadenposten überhaupt. 2024 zahlten die Wohngebäudeversicherer rund 4,9 Mrd. € für Leitungswasserschäden — über die Hälfte des gesamten Wohngebäudeschadens (GDV, 2025). Seit 2015 hat sich der Aufwand mehr als verdoppelt.
- Nicht jeder Wasserschaden ist ein Rohrbruch. Eingedrungenes Niederschlagswasser, Hochwasser oder Rückstau sind keine Leitungswasserschäden — sie fallen unter den Elementarschutz.
- Beim Denkmal kommt eine Auflage dazu: Die Wiederherstellung muss in historischer Bauweise erfolgen. Eine Standardpolice rechnet hier zu knapp.
Was zählt als Rohrbruch?
Versicherungsrechtlich ist ein Rohrbruch der bestimmungswidrige Austritt von Leitungswasser (GDV VGB 2016, Stand der Musterbedingungen). „Bestimmungswidrig" heißt: Das Wasser tritt dort aus, wo es nicht hingehört.
Typische Konstellationen:
- Frischwasserleitung bricht — sichtbar oder im Mauerwerk
- Heizungsrohr undicht — Wasser sickert in die Wand
- Zuleitung zu einem Gerät (Spülmaschine, Waschmaschine, Kühlschrank mit Eiswürfelbereiter) defekt
- Frostschaden an einer nicht entleerten Außenleitung im Winter
Versichert sind in der Regel auch Rohre innerhalb des Gebäudes — einschließlich der im Mauerwerk verlegten Leitungen. Ob auch Rohre außerhalb des Gebäudes (Zuleitungen vom Hausanschluss bis ins Haus) mitversichert sind, hängt vom konkreten Tarif ab.
Was die Wohngebäudeversicherung übernimmt
Bei einem versicherten Rohrbruch zahlt die Wohngebäudeversicherung typischerweise:
- Das beschädigte Rohr selbst — Reparatur oder Austausch
- Suche und Freilegung — Aufstemmen von Wänden, Böden, Decken, um das Leck zu finden
- Folgeschäden am Gebäude — feuchte Wände, beschädigte Böden, durchnässte Decken, Schimmelfolgen
- Trocknung des betroffenen Gebäudebereichs
- Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands
Was sie nicht trägt, ist der Hausrat — beschädigte Möbel, Teppiche, Elektronik gehören in die Hausratversicherung, eine separate Police.
Was NICHT gedeckt ist — typische Ausschlüsse
Drei Punkte führen am häufigsten zu Streit mit dem Versicherer:
- Grobe Fahrlässigkeit — wer Außenleitungen im Winter nicht entleert oder offensichtliche Lecks tagelang ignoriert, riskiert die Leistungskürzung. In besseren Tarifen ist die grobe Fahrlässigkeit ausdrücklich mitversichert; in Basis-Tarifen oft nicht.
- Niederschlagswasser von außen — Starkregen, der durchs Dach drückt, oder Grundwasser ist kein Leitungswasserschaden. Dafür braucht es den Elementarschutz als Zusatzbaustein.
- Verschleißbedingte Schäden ohne klares Schadenereignis — eine seit Jahren langsam durchfeuchtete Wand ohne erkennbares Leck ist nicht immer ein Rohrbruchfall.
Wer den Schutz vor Wasserrisiken vollständig haben will, prüft beide Bausteine zusammen — Leitungswasser für Rohrbruch, Elementar für Hochwasser/Starkregen/Rückstau.
„Der Klassiker in meiner Beratung: Eigentümer denken, ihre Wohngebäudeversicherung ‚zahlt halt jeden Wasserschaden'. Stimmt nicht — Leitungswasser ja, Niederschlagswasser nein. Wer im Hochwasserfall den Elementarschutz nicht hat, schaut in die Röhre. Beides gehört geprüft, nicht nur eines."
— Birkan Kati, Denkmalversichert
Was tun im Rohrbruch-Schadenfall? Schritt für Schritt
Wenn das Wasser läuft, zählt jede Minute. Die Reihenfolge ist überall ähnlich:
- Wasser abstellen — Hauptabsperrventil schließen; bei Heizungsanlagen Notschalter. Das ist der wichtigste Schritt.
- Strom abstellen, wenn Wasser in elektrische Anlagen gelaufen ist. Niemals mit feuchten Händen am Sicherungskasten arbeiten — im Zweifel den Notdienst rufen.
- Dokumentieren — Fotos vom Schaden, vom betroffenen Rohr, von den Wasserspuren. Zeitstempel beachten.
- Notmaßnahmen einleiten — Wasser aufnehmen, Möbel sichern, beschädigte Stellen sichern. Belege für aufgewendete Sofortmaßnahmen aufheben.
- Versicherer unverzüglich melden — telefonisch und schriftlich. Die Schadenmeldung ist Voraussetzung der Leistung.
- Fachbetrieb hinzuziehen, sobald der Versicherer einverstanden ist. Eigene Reparaturen ohne Absprache können die Schadenregulierung erschweren.
Eine Übersicht zum kompletten Vorgehen am denkmalgeschützten Gebäude gibt der Ratgeber Schadensfall am Denkmal.
Rohrbruch beim Denkmal — die Besonderheit
Bei historischen Gebäuden potenzieren sich zwei Effekte:
Erstens das Risiko. Alte Bleirohre, Gussleitungen aus den 1920ern, Zinkrohre — die Schadenanfälligkeit ist höher als bei einem Neubau. Die GDV-Auswertungen zum Schadenverhütungsbericht 2023/2024 nennen alte Leitungen als zentralen Kostentreiber des Leitungswasserschadens (GDV, 2024).
Zweitens die Wiederherstellung. Wird nach einem Rohrbruch Stuck zerstört, eine historische Bohlendecke durchnässt oder Originalputz beschädigt, verlangt die Denkmalbehörde die denkmalgerechte Wiederherstellung mit Spezialhandwerk. Eine Standard-Wohngebäudeversicherung rechnet hier zu Standard-Sätzen — und lässt Eigentümer auf der Differenz sitzen. Genau dafür gibt es die Mehrkostenklausel für Denkmalschutz-Auflagen.
Wie ein Wasserschaden konkret bei einem typischen historischen Objekt abläuft, behandelt vertieft der Ratgeber Wasserschaden im Fachwerkhaus.
Häufige Fragen
Was zählt versicherungsrechtlich als Rohrbruch? Der bestimmungswidrige Austritt von Leitungswasser aus einer fest mit dem Gebäude verbundenen Leitung oder einem angeschlossenen Gerät. Eingedrungenes Niederschlagswasser oder Grundwasser zählen nicht dazu.
Zahlt die Wohngebäudeversicherung bei einem Rohrbruch immer? Bei einem versicherten Leitungswasserschaden ja. Ausnahmen: grobe Fahrlässigkeit (je nach Tarif), Verschleißschäden ohne klares Schadenereignis und Schäden, die unter andere Bausteine fallen (Elementar bei Starkregen).
Sind Rohre im Mauerwerk mitversichert? In der Regel ja — sowohl die Leitung selbst als auch die Aufstemm-Arbeiten zur Suche und Freilegung. Das ist einer der wichtigsten Schutzpunkte beim Leitungswasser-Modul.
Was tue ich zuerst, wenn ein Rohr platzt? Hauptabsperrventil schließen, bei Bedarf Strom abstellen, fotografieren, Versicherer melden. Erst danach mit der Trocknung und Reparatur beginnen.
Was ist mit Rohren außerhalb des Gebäudes? Zuleitungen außerhalb des Gebäudes sind je nach Tarif eingeschlossen oder ausgeschlossen. Im Zweifel die eigene Police prüfen.
Externe Quellen & weiterführende Informationen
- GDV — Leitungswasser-Schadenaufwand Wohngebäude: gdv.de
- GDV — Schadenverhütung in der Sachversicherung 2023/2024: gdv.de
- GDV — Musterbedingungen Wohngebäudeversicherung (VGB 2016): gdv.de
- Verbraucherzentrale — Wohngebäudeversicherung für Hauseigentümer: verbraucherzentrale.de
Ihr nächster Schritt
Rohrbruch ist der häufigste Großschaden am Haus — und beim Denkmal entscheidet die Police, ob die denkmalgerechte Wiederherstellung gedeckt ist oder ob Sie nachzahlen.
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